Elmar Thom – 44 Jahre an der Spitze des LSV Warburg

„Investieren, nicht nur sparen“

Nur wenige Menschen haben den Luftsportverein Warburg so lange und so nachhaltig geprägt wie Elmar Thom. Mehr als 60 Jahre gehörte er dem Verein an, 44 Jahre davon führte er ihn als Vorsitzender. In dieser Zeit entstanden nicht nur neue Gebäude, Flugzeuge und eine neue Startwinde. Elmar sorgte auch dafür, dass sich der Verein technisch weiterentwickelte und selbst schwierige Zeiten überstand.


Seine Devise als Vorsitzender war ebenso einfach wie weitsichtig: „Investieren, nicht nur sparen.“


Der erste Alleinflug

Elmar Thom wurde am 9. August 1941 geboren. Seine Begeisterung für die Fliegerei entwickelte sich schon früh. Im August 1959 absolvierte er, am selben Tag wie Werner Kaluza, auf dem Warburger Flugplatz an der Diemel seinen ersten Alleinflug. Sein damaliger Fluglehrer war der Warburger Bernhard Möller.


Elmar war zu diesem Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt. Der Alleinflug wurde zum Beginn einer lebenslangen Verbindung mit dem Segelflug.



Elmar Thom als junger Mann mit Hut und Sonnenbrille im Cockpit eines Segelflugzeugs, 1960 Elmar Thom im Cockpit eines Segelflugzeugs, 1960



Mitte der 1960er-Jahre erwarb Elmar selbst die Fluglehrerberechtigung. Über viele Jahrzehnte bildete er anschließend Flugschüler aus und gab seine Erfahrung an jüngere Generationen weiter. Seine Leidenschaft galt stets der Fliegerei – doch seine Bedeutung für den Verein ging weit über das Cockpit hinaus.


Verantwortung für den Verein

Im März 1970 wählten die Mitglieder Elmar Thom zum Vorsitzenden des Luftsportvereins Warburg. Dieses Amt sollte er 44 Jahre lang ausüben.


Als er die Verantwortung übernahm, befand sich der Verein in einer schwierigen Umbruchphase. Geänderte Anforderungen an die Genehmigung von Segelfluggeländen machten eine Anpassung des Flugplatzes erforderlich. Das Gelände wurde einige Meter in Richtung Wethen neu angelegt und im Laufe der folgenden Jahre weiter ausgebaut.


Unter Elmars Leitung entstanden eine neue Flugzeughalle, das Fliegerheim und die Werkstatt. Später kamen weitere Unterkünfte und Hängerhallen hinzu. Auch das Fluggelände wurde erweitert.


Gleichzeitig entwickelte sich der Flugzeugpark weiter. Während seiner Amtszeit entstanden vier Flugzeuge im Selbstbau. Außerdem beschaffte der Verein drei Kunststoffsegelflugzeuge, einen Motorsegler und ein Ultraleichtflugzeug.


Elmar betrachtete die Aufgabe eines Vorsitzenden nicht als bloße Verwaltung des Vorhandenen. Für ihn bestand sie vor allem darin, den Verein weiterzuentwickeln und auf die Zukunft vorzubereiten.


Ingenieur, Werkstattleiter und Prüfer

Auch beruflich war Elmar der Luftfahrt eng verbunden. Er studierte Maschinenbau mit der Fachrichtung Flugzeugbau. Dieses Wissen brachte er in außergewöhnlichem Umfang in die Vereinsarbeit ein.


Er ließ sich zum Werkstattleiter und Motorwart ausbilden und koordinierte Wartungsarbeiten sowie die vorgeschriebenen Abnahmen der Vereinsflugzeuge. Als amtlich bestellter Prüfer war er rund 40 Jahre lang für Segelflugzeuge, Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge tätig – nicht nur in Warburg, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen.




Elmar Thom in der Werkstatt Elmar Thom in der Werkstatt




Viele Vereine profitierten von seinem technischen Wissen. Bei umfangreichen Reparaturen, Flugzeugbauten und anderen großen Werkstattprojekten war Elmar nicht nur Prüfer, sondern zugleich ein gefragter Berater. Seine Erfahrung und sein Urteil genossen weit über den LSV Warburg hinaus großes Ansehen.


Auch den Bau von Werner Kaluzas Hütter H 28 II begleitete Elmar als verantwortlicher Bauprüfer. Während der mehr als vierjährigen Bauzeit nahm er die erforderlichen Zwischenprüfungen vor. Damit hatte er Anteil daran, dass das seltene Holzsegelflugzeug im Oktober 2003 in Warburg zu seinem erfolgreichen Erstflug starten konnte.


Eine Winde nach eigenen Plänen

Ein besonders sichtbares Beispiel für Elmars technische Arbeit ist die 1994 gebaute Startwinde. Sie entstand nach seinen Plänen auf dem Fahrgestell eines alten Opel Blitz.

Das Fahrzeug wurde vollständig ausgeräumt, anschließend wurden die einzelnen Komponenten der neuen Windenanlage eingebaut, verschraubt und verschweißt. Die aufwendige Eigenkonstruktion erwies sich als außerordentlich zuverlässig und funktionierte auch zwei Jahrzehnte später noch ohne größere Probleme.




Elmar Thom mit Schweißgerät und Schweißermaske beim Schweißen der Winde Elmar Thom beim Schweißen der Winde




Die Winde steht beispielhaft für Elmars Arbeitsweise: vorhandene Möglichkeiten nutzen, technisch durchdachte Lösungen entwickeln und gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern etwas Dauerhaftes schaffen.


Nachwuchs und schwierige Jahre

Neben Flugzeugen, Werkstätten und technischen Anlagen hatte Elmar stets auch den Nachwuchs im Blick. Als Fluglehrer bildete er über Jahrzehnte zahlreiche junge Menschen aus. In den Gremien des Luftsports vertrat er außerdem die Interessen der Segelflieger.


Trotz aller Aufbauarbeit erlebte der Verein während seiner Amtszeit auch schwierige Jahre. 2011 stand der LSV Warburg nach Einschätzung damaliger Mitglieder kurz vor dem Aus. Es wurde nur noch wenig geflogen, viele Aktive waren älter geworden und Nachwuchs fehlte nahezu vollständig.




Elmar Thom mit Vereins-Shirt beim Tag der offenen Tür zu Pfingsten Elmar Thom beim Tag der offenen Tür zu Pfingsten




Zu Pfingsten 2011 interessierten sich dann mehrere Jugendliche für eine Segelflugausbildung. Daraus entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine neue Jugendgruppe. Bereits 2013 befanden sich wieder 15 Jugendliche in der Ausbildung. Der Verein zählte zu dieser Zeit 86 Mitglieder und konnte wieder regelmäßig Flugbetrieb anbieten.


Nach 44 Jahren an der Spitze übergab Elmar 2014 den Vorsitz. In Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste ernannten ihn die Mitglieder zum Ehrenvorsitzenden des Luftsportvereins Warburg.


Ein Lebenswerk für den Luftsport

Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Elmar Thom zahlreiche Ehrungen. Zu den bedeutendsten gehörten das Diplom „Otto Lilienthal“, eine der höchsten Auszeichnungen des Deutschen Aero Clubs, und die Ehrenplakette in Gold des DAeC. Letztere wurde ihm in Anerkennung seiner 40-jährigen Tätigkeit als Vereinsvorsitzender und seines weit über Warburg hinausreichenden Einsatzes für den Luftsport verliehen.



Elmar Thom mit Laudator bei der Verleihung der Goldenen Plakette des DAeC Elmar Thom bei der Verleihung der Goldenen Plakette des DAeC




Elmar Thom starb am 28. September 2018 nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt völlig unerwartet im Alter von 77 Jahren.


Mehr als sechs Jahrzehnte war er Mitglied des LSV Warburg. Als Fluglehrer, Ingenieur, Werkstattleiter, Motorwart, Prüfer und Vorsitzender hatte er maßgeblichen Anteil am Aufbau und an der Erweiterung des Vereins.


Gebäude, Flugzeuge und technische Anlagen tragen bis heute Spuren seiner Arbeit. Noch stärker aber wirkt seine Haltung fort: Ein Verein kann sich nur entwickeln, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, ihr Wissen weiterzugeben und in seine Zukunft zu investieren.

 
 
 
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