Werner Kaluza – der Mann, der seinen Traum zum Fliegen brachte
Ein Leben für den Segelflug
Wenn Werner Kaluza, geboren am 06.01.1942, von den frühen Jahren des Luftsportvereins Warburg erzählt, berichtet er nicht nur von Vereinsgeschichte. Er hat einen großen Teil davon selbst miterlebt und mitgestaltet. Seit 1958 gehört der Rimbecker dem LSV Warburg an – als Pilot, Fluglehrer, Werkstattleiter und Flugzeugbauer.
Schon in seiner Jugend begeisterte sich Werner für das Fliegen. Über den Modellbau fand er zum Segelflug und trat 1958 in den LSV Warburg ein. Seinen ersten Alleinflug absolvierte er, am selben Tag zusammen mit Elmar Thom, im Alter von 17,5 Jahren im August 1959 auf dem Flugplatz an der Diemel. Zwei Jahre später erwarb er den damaligen Luftfahrerschein Klasse 1 und begann seine Ausbildung zum Segelfluglehrer. 1973 kam die Lehrberechtigung für Motorsegler hinzu.
Bis zu seiner Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahr 2012 hatte Werner mehr als 13.000 Starts absolviert. Die meisten davon waren Schulstarts. Hinter dieser Zahl stehen unzählige Wochenenden auf dem Flugplatz und mehrere Generationen von Flugschülerinnen und Flugschülern, denen Werner das Fliegen nähergebracht hat.
Flugzeuge aus der Warburger Werkstatt
Werners Leidenschaft endete nie an der Cockpithaube. Seit 1965 leitete er die Vereinswerkstatt und kümmerte sich über Jahrzehnte um Reparatur, Wartung und den Erhalt der Flugzeuge.
Gemeinsam mit seinen Vereinskameraden war er am Bau von sechs Segelflugzeugen beteiligt: einer Ka 8 b, zwei Ka 7, einer ASK 13, einer Ka 6 E und einer Hütter H 28. Zum Zeitpunkt seiner Ehrung im Jahr 2012 waren nach Angaben des Vereins noch alle sechs Maschinen flugfähig.
Sein außergewöhnlichstes Projekt wurde die Hütter H 28 II. Das kleine Leistungssegelflugzeug war ursprünglich 1936 von Wolfgang Hütter konstruiert worden. Von diesem seltenen Typ entstanden seinerzeit nur wenige Exemplare. Werner fasste den Entschluss, die fast vergessene Konstruktion nach den alten Plänen wieder zum Leben zu erwecken.
Mehr als 2.000 Stunden für einen Traum
Über vier Jahre arbeitete Werner an seinem originalgetreuen Nachbau. Rund 2.000 Arbeitsstunden stecken in dem vollständig aus Holz gebauten Flugzeug. Unzählige Recherchen waren erforderlich, um aus den historischen Unterlagen wieder eine flugfähige Maschine entstehen zu lassen.
Die Hütter H 28 II ist ein bemerkenswert kompaktes Segelflugzeug. Ihre Spannweite beträgt zwölf Meter, der Rumpf ist nur etwa fünf Meter lang. Bei einem Leergewicht von lediglich 106 Kilogramm durfte sie bis zu einem Fluggewicht von 200 Kilogramm beladen werden.
Bevor Werner mit dem Flugzeugbau beginnen konnte, schuf er zunächst selbst den notwendigen Platz dafür. Neben seinem Wohnhaus errichtete er eine zweite Garage, die groß genug war, um darin ein vollständiges Flugzeug zu bauen. Sie wurde zur Werkstatt, in der seine Hütter H 28 II entstand.
Während der Bauzeit wurde das Flugzeug mehrfach von Elmar Thom geprüft, der damals Vorsitzender des LSV Warburg und verantwortlicher Bauprüfer war. Am 2. Oktober 2003 erteilte das Luftfahrt-Bundesamt die vorläufige Verkehrszulassung. Nun musste die Hütter zeigen, ob sie nicht nur handwerklich gelungen war, sondern auch fliegerisch hielt, was sich ihr Erbauer von ihr versprach.
Der Erstflug am Haxterberg
Am Sonntag, dem 12. Oktober 2003, war es schließlich so weit. Vor den Augen zahlreicher Vereinsmitglieder und Besucher nahm Werner selbst im Cockpit seiner Hütter Platz.
Anders als bei den damals üblichen Windenstarts wurde der Erstflug im Flugzeugschlepp durchgeführt. Die vereinseigene FK 9, gesteuert von Fluglehrer Volker Thomas, zog die Hütter an einem 40 Meter langen Seil in den Himmel.
Der Erstflug verlief erfolgreich. Nach der Landung wurde Werner von den wartenden Vereinskameraden mit Beifall empfangen. Die Flugeigenschaften der Maschine übertrafen seine Erwartungen offenbar so deutlich, dass er unmittelbar zu einem zweiten Flug startete. Dieses Mal wurde die Hütter von Cheffluglehrer Raimund Schäfer geschleppt. Eine Stunde und zwanzig Minuten blieb Werner mit seinem neuen Flugzeug in der Luft.
Damit war aus alten Bauplänen, jahrelanger Recherche und Tausenden Stunden Werkstattarbeit wieder ein fliegendes Segelflugzeug geworden. Nach Angaben der damaligen Vereinsseite war Werners Hütter zu dieser Zeit das einzige flugfähige Exemplar dieses seltenen Typs.
Von Warburg bis zum Matterhorn
20 Jahre später verkaufte Werner die Hütter H 28 II mit dem Kennzeichen D-8223 an einen Schweizer Fliegerkollegen. Nach Werners Erzählung ist die Maschine weiterhin flugfähig und wird heute noch in den Schweizer Alpen rund um das Matterhorn geflogen.
So führt die Geschichte des kleinen Holzsegelflugzeugs vom Reißbrett des Jahres 1936 über mehr als 2.000 Arbeitsstunden in einer Warburger Werkstatt bis in die Bergwelt der Schweiz.
Für Werner war die Hütter jedoch mehr als ein seltenes Flugzeug. Sie war die Verwirklichung eines lange gehegten Traums – selbst gebaut und beim Erstflug von ihm persönlich gesteuert.
Im März 2012 ernannte der LSV Warburg Werner Kaluza für seine mehr als 50-jährige Mitgliedschaft und sein jahrzehntelanges Engagement als Fluglehrer, Werkstattleiter, Zellen- und Windenwart zum Ehrenmitglied. Seine Hütter H 28 II ist bis heute ein besonders eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie viel handwerkliches Können, Ausdauer und Leidenschaft er in den Luftsportverein Warburg eingebracht hat.




