Heinz Rose – ein Flugpionier aus Warburg
Mehr als 70 Jahre der Fliegerei verbunden
Heinz Rose gehörte zu den Menschen, ohne die es den Luftsportverein Warburg in seiner heutigen Form vermutlich nicht gäbe. Mehr als sieben Jahrzehnte war er mit der Fliegerei in Warburg verbunden. Er erlebte die Anfänge des Segelflugs vor dem Zweiten Weltkrieg, gehörte 1951 zu den Gründungsmitgliedern des neu entstandenen Vereins und war bis ins hohe Alter auf dem Flugplatz aktiv.
Seine Vereinskameraden nannten ihn auch liebevoll „Heinrich“. Für sie gehörte er ganz selbstverständlich zum Flugplatz – als Flugleiter, Luftaufsicht, Vorstandsmitglied und gewissenhafter Hüter der Flugstatistik.
Der erste Start auf der Rimbecker Kuhweide
Heinz Rose wurde am 8. Juli 1920 geboren. Bereits im August 1935, im Alter von 15 Jahren, begann seine aktive Verbindung zur Fliegerei in Warburg. Seinen ersten Gummiseilstart absolvierte er am Karfreitag 1936 am Hang der „Rimbecker Kuhweide“.
Wie viele junge Flugbegeisterte fand auch Heinz über den Modellbau zum Segelflug. Flug- und Schiffsmodelle fertigte er mit großer Präzision. Dabei gab er sein technisches Wissen an Jugendliche weiter, von denen einige später selbst verantwortliche Aufgaben im Luftsportverein Warburg übernahmen.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach diesen Weg. 1940 wurde Heinz zur Marine eingezogen. Bei Kriegsende geriet er in Gefangenschaft und kehrte erst 1948 zurück. Neben der Fliegerei blieb deshalb auch die Seefahrt zeitlebens eines seiner großen Interessengebiete.
Gründungsmitglied und Vermögensverwalter
Am 1. August 1951 nahm Heinz Rose an der Wiedergründungsversammlung des Luftsportvereins Warburg teil. Damit gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Vereins.
Von diesem Tag an bis 1975 war er im Vorstand als Vermögensverwalter tätig. Fast ein Vierteljahrhundert lang trug er damit Verantwortung für den organisatorischen Aufbau und die Entwicklung des jungen Vereins.
Im Mai 1967 übernahm Heinz zusätzlich die Aufgabe des Flugleiters. Auch danach blieb er dem Flugbetrieb über Jahrzehnte eng verbunden. Bei nahezu jedem Flugtag war er als Luftaufsicht auf dem Warburger Flugplatz anzutreffen. Er führte die Bordbücher und das Hauptflugbuch, hielt die Nachrichten für Luftfahrer und die Luftfahrthandbücher auf dem aktuellen Stand und widmete sich mit besonderer Sorgfalt der Statistik der Flugbewegungen.
Für viele Vereinsmitglieder war ein Flugtag ohne Heinz Rose kaum vorstellbar.
Technikbegeistert und kontaktfreudig
Heinz interessierte sich sein ganzes Leben lang für technische Neuerungen. Er gehörte zu den ersten Warburgern, die eine Funkfernsteuerung für Flug- und Schiffsmodelle besaßen. Auch ein UKW-Radio und ein Fernsehgerät fanden bei ihm ungewöhnlich früh Einzug.
Seine Tätigkeit als Friseur brachte ihn ab Mitte der 1950er-Jahre mit Soldaten der in Borgentreich stationierten Royal Air Force in Kontakt. Einige von ihnen teilten seine Begeisterung für Fesselflugmodelle. An Sonntagen trafen sie sich regelmäßig zu gemeinsamen Modellflugtagen auf dem „Weißen Berg“ an der Kasseler Straße.
Dass ein Mann, der selbst in britischer Kriegsgefangenschaft gewesen war, wenige Jahre später mit britischen Soldaten einem gemeinsamen Hobby nachging, macht diese Begegnungen besonders bemerkenswert. Mit seiner offenen und kontaktfreudigen Art leistete Heinz im Kleinen einen Beitrag zur Verständigung. Gleichzeitig gewann er auf diese Weise immer wieder Freunde, Unterstützer und neue Mitglieder für den Luftsportverein.
„Graf Baro“ bei den großen Meisterschaften
Seit 1980 war Heinz Rose außerdem als Sportzeuge tätig. Bei mehreren deutschen Meisterschaften und Segelflug-Weltmeisterschaften betreute und kontrollierte er die damals zur Dokumentation der Flüge verwendeten Barographen.
Bei der Segelflug-Weltmeisterschaft 1981 in Paderborn kümmerte er sich um die Ausgabe dieser Aufzeichnungsgeräte an die Piloten. Seine Aufgabe und sein unverwechselbares Auftreten brachten ihm den humorvollen Beinamen „Graf Baro“ ein. Dadurch wurde Heinz weit über Warburg hinaus in der Segelfliegerei bekannt.
Bis zuletzt Teil des Flugplatzes
Auch im hohen Alter blieb Heinz seinem Verein treu. Noch an seinem 85. Geburtstag nahm er als Fluggast wieder in einem Segelflugzeug Platz. Während des regulären Flugbetriebs war er weiterhin häufig auf dem Flugplatz anzutreffen und kümmerte sich um jene Aufgaben, die im Hintergrund erledigt werden müssen, damit ein Flugtag sicher und geordnet ablaufen kann.
Für seinen jahrzehntelangen Einsatz erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehörten das Diplom „Otto Lilienthal“ des Deutschen Aero Clubs, die Ehrennadeln in Silber und Gold des DAeC-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen sowie dessen goldene Plakette für besondere Verdienste im Luftsport.
Bereits 1980 ernannte ihn der LSV Warburg wegen seines außergewöhnlichen Engagements zum Ehrenmitglied.
Im Februar 2007 starb Heinz Rose nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren. Bis zuletzt war er seiner großen Leidenschaft verbunden.
Heinz Rose war nicht nur ein Flugpionier und Gründungsmitglied. Er war über Jahrzehnte eine der Persönlichkeiten, die dem Luftsportverein Warburg Beständigkeit, Zusammenhalt und ein unverwechselbares Gesicht gaben. Wie es seine Segelflugfreunde in ihrem Nachruf ausdrückten: Heinz, ihr „Heinrich“, gehörte einfach zum Flugplatz dazu.


